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Malteser in Solingen und Remscheid

Jeder wird zum Retter geboren...

04.12.2015

...jeder auf seine Art, so Wolfgang Guenther: Der eine rettet Tiere, der andere Blumen, oder sonst was...

Und der andere rettet halt Menschen! Wolfgang Guenther (56) weiß, wovon er spricht: Er ist seit 43 Jahren "ein Malteser" als Lehrrettungsassistent, Pressereferent und Ausbilder in Solingen / Remscheid.

Auch seine Frau Birgit ist bei den Maltesern (in Köln), es sei "eine Lebensaufgabe" für beide, die auf Schloss Burg leben, wo interessanterweise die Malteser vom 12. Jahrhundert bis 1803 eine Kommende (Niederlassung) für die Krankenpflege und den Schutz der Pilger hatten.

Im Alter von dreizehn Jahren überlegte Wolfgang Guenther: Wohin nu? Ein Bekannter schlug ihm vor, bei den Maltesern einfach mal zu "gucken". Also fuhr Wolfgang Guenther jeden Samstag von Wald, wo er wohnte, mit dem Bus nach Ohligs, um zu "gucken". Zu der Zeit gab es noch keine richtige Jugendarbeit bei den Maltesern, aber er sah viel und lernte viel. Er machte zwar eine Ausbildung zum Scherenmonteur, weil seine Eltern es wünschten, doch das war nicht sein Traumberuf. So wurde er bald Altenpfleger; er arbeitete u. a. im Pflegeheim und auf der MS-Station an der Langhansstraße, später auch in der Lukas-Klinik, das machte ihm mehr Spaß. Nebenbei war er immer noch Helfer bei den Maltesern. 1985 wurde er dort Ausbilder, und im Laufe der Jahre erlebte und gestaltete er viele Änderungen mit, wie z. B. die Anfänge des Hausnotrufes, der, so seine Erfahrung, "viele Leben gerettet hat".

Wolfgang Guenther hat anlässlich seiner Tätigkeit bei den Maltesern viele Menschen kennen gelernt, natürlich auch viel erlebt. Manche Einsätze lassen sich nicht so leicht vergessen, sie hinterlassen Spuren, manchmal sehr tiefe, wie z. B. August 2009, das große Erdbeben in L'Aquila (Italien). Auch ein sehr schwieriger Einsatz, nicht nur wegen Temperaturen von über 40 Grad. Wolfgang Guenther erlebte selbst mit, wie die Erde immer noch bebte. Bei solchen schwersten Einsätzen ist es sehr wichtig, mit Anderen zu sprechen. Immens wichtig sind da mittlerweile die Notfallseelsorger, die Rettern helfen, das Erlebte besser zu verarbeiten, vor allem in Situationen, wo Kinder zu den Opfern zählen, oder Freunde, Angehörige...

Es gibt nicht nur dramatische Einsätze, z. B. Mai 1981, Rom:  Bei seinem ersten Einsatz dort hat Wolfgang Guenther Papst Johannes Paul II getroffen. Er schwärmt heute noch davon.

Die katholische Ordensgemeinschaft "Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom Hl. Johannes zu Jerusalem von Rhodos von Malta" wurde im 11. Jahrhundert in Jerusalem gegründet. 1953 entstand der Malteser Hilfsdienst e. V. (MHD) als katholische Hilfsorganisation. Dort engagieren sich heute über 30.000 Ehrenamtliche. In Solingen, wo die Malteser seit 1958 sind, gibt es ca. 180 Haupt- und 80 Ehrenamtler (1958 waren es gerade mal zwölf).

Der seit ca. 900 Jahren gültige Leitsatz der Malteser lautet: "Bezeugung des Glaubens und Hilfe den Bedürftigen". Helfen und retten, das tun die Malteser in vielen Gebieten:

  • Rettungsdienst und Krankentransport, eingebunden in den Rettungsdienst der Stadt Solingen. So werden die Wachen von der Feuerwehr und den Maltesern (u. a.) besetzt, zum Beispiel die Wache 6 an der Löhdorfer Straße. Weitere Helfer können bei Bedarf zu Hause alarmiert werden.
  • Zivil- und Katastrophenschutz
  • Hausnotruf und Menüservice, für ein sicheres und angenehmes Leben in den eigenen vier Wänden
  • Besuchs- und Begleitungsdienst

Darüber hinaus sind die Malteser als Sanitäter und Helfer vor Ort bei Pfarr- und Straßenfesten, Fronleichnamprozessionen, Weihnachtsmärkten, Sport– und Open Air-Veranstaltungen (Dürpelfest in Ohligs), usw.

Nicht zuletzt begleiten sie auch Wallfahrten, denn einer der ursprünglichen Aufträge war und bleibt der (früher bewaffnete) Pilgerschutz.  Wie oben erwähnt, finden Einsätze oft in Rom oder z.B. in Kevelaer, aber auch in Medjugorje (Bosnien-Herzegowina) statt: 1981 soll die Muttergottes dort erschienen und seitdem 400 wundersame Heilungen erfolgt sein. Nun pilgern jährlich bis zwei Millionen Pilger dorthin, für die die Malteser in den Sommermonaten einen ehrenamtlichen Sanitätsdienst leisten.

Als wir Herrn und Frau Guenther fragen, ob jeder helfen kann, ist die Antwort eindeutig: Klar, das kann jeder! In der Tat: Den Rettungsdienst anrufen und ggf. die Unfallstelle sichern, das kann wirklich jeder! Darüber hinaus ist es wichtig, die Menschen bis zum Eintritt der Rettungsdienste nicht alleine zu lassen, sie anzusprechen, die Hand zu halten, evtl. eine Decke zu besorgen... und den Rettungsdienst nicht durch "Gaffen" zu behindern.

Viele fühlen sich in einer solchen Situation doch unsicher. Hand aufs Herz: Was wissen Sie noch vom Erste-Hilfe-Kurs beim Führerschein? Die stabile Seitenlage vielleicht? Ach, die gibt es gar nicht mehr in der Form, meint Birgit Guenther. Es ist also wichtig, immer wieder damit konfrontiert zu werden. Dafür bieten die Malteser Kurse für alle Alterstufen. Schon früh fängt es an, und zwar in den Kindertagesstätten mit der Aktion "Abenteuer helfen", um Kinder für Gefahrensituationen zu sensibilisieren. In den Schulen werden Kurse angeboten und Schulsanitäter ausgebildet. Dann kommen der klassische Erste-Hilfe-Kurs zum Führerschein, Kurse für betriebliche Ersthelfer, und immer wieder Angebote, um die Kenntnisse aufzufrischen. Auch für Senioren gibt es Kurse, die speziell auf deren Bedürfnisse und potentielle Gefahren eingehen.

Frau Guenther betont weiterhin die Wichtigkeit des Einsatzes der so genannten "automatisierten externen Defibrillatoren" (AED), die mittlerweile an vielen (öffentlichen) Orten angebracht sind. Keine Angst, man kann nichts falsch machen, denn, so Frau Guenther, "die Geräte sprechen mit einem wie ein Navigationsgerät" und erklären, was zu tun ist.

Die Malteser handeln nach zwei Geboten "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken." und "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." (Mt 22,37-39)

Sie freuen sich auf neue Helfer, die sich ehrenamtlich für Arme und Kranke engagieren. Wenn Sie mehr dazu erfahren wollen, können Sie gerne Kontakt aufnehmen mit:

Wolfgang Guenther
Malteser Hilfsdienst e.V.
Tel. 0170-9678070
wolfgang.guenther@malteser.solingen.de

Spenden können Sie auch gerne, um die Malteser zu unterstützen:

Malteser Hilfsdienst e.V. 
Pax-Bank 
IBAN: DE6137060101930104242014 
BIC / S.W.I.F.T: GENODED1PAX

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von "Wir x 4" - der Zeitschrift der katholischen Pfarreiengemeinschaft Solingen West. Dieser Artikel ist erschienen in Ausgabe 4 / 2015.

Weitere Informationen

Unser Spendenkonto: Malteser Hilfsdienst e.V.  |  Pax-Bank  |  IBAN: DE61370601930104242014  |  BIC / S.W.I.F.T: GENODED1PAX