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Malteser in Solingen und Remscheid

Einsatz in den Abruzzen

Malteserteam zurück aus dem Einsatz

10.08.2009
Vom 30. Juli bis 10. August befand sich Wolfgang Guenther, Helfer der Malteser in Solingen, in dem Camp Poggio di Roio in den Bergen von L'Aquila. Er war Teil eines sechsköpfigen Malteser-Teams, das von CISOM, dem Hilfskorps der italienischen Malteser, angefordert und durch Helfer der österreichischen und schweizer Malteser ergänzt wurde. In der von CISOM betriebenen Zeltstadt, in der noch immer 380 Menschen leben, die durch das Erdbeben im April ihr Hab und Gut verloren haben, leisteten sie vor allem technische Unterstützung. "Wir bauen beispielsweise Beschattungen für die Zelte der Bewohner", erklärt Guenther. Bei durchweg hohen Temperaturen und der starken Sonneneinstrahlung sei der Aufenthalt in den Zelten tagsüber nahezu unmöglich, das Aufspannen großer Netze über den Zelthäuten schaffe daher spürbare Linderung für die Bewohner. Darüber hinaus wirkten die Teammitglieder beim allgemeinen Betrieb des Camps mit, beispielsweise bei der Einlasskontrolle und Nachtwache, der Logistik und Registrierung im Verpflegungsbereich und dem Betrieb eines medizinischen Zeltes mit. Weitere technische Aufgaben bestanden in der Reparatur von Kabelbrücken und der Kontrolle elektrischer Anlagen.

Helfer sehr bewegt

Sehr bewegt seien die Helfer des deutschen Teams aufgrund der herzlichen Aufnahme durch die Bewohner im Camp. "Wir erfahren hier sehr viel Gastfreundschaft, wie sie von Menschen, die teils ihren gesamten Besitz verloren haben, nicht erwartet werden kann", so Guenther. So seien die Malteser Helfer zu dem für die drei im Camp vertretenen Gemeinden Roios sehr bedeutenden Brotfest, dem "Festa del pane", eingeladen worden und haben an einer feierlichen Prozession teilgenommen. Außerdem durften sie an einer silbernen Hochzeit und einer Verlobungsfeier teilnehmen. "Es berührt uns sehr zu sehen, wie sehr die Bewohner bemüht sind, einem normalen Leben nachzugehen und auch unter den widrigen Umständen eines Notfallcamps kulturelle Veranstaltungen zu organisieren", berichtet Guenther weiter. "Bei all der Trauer und Verzweiflung, die wir immer wieder wahrnehmen, merken wir doch deutlich, dass das Leben auch hier in der Zeltstadt weitergeht." Dazu gehören allerdings auch schwierige Momente, so gab es in der Nacht vom 3. auf den 4. August ein vergleichsweise schweres Nachbeben. "Ich habe zu dieser Zeit im Postenzelt gesessen, als plötzlich begleitet von einem tiefen Grollen die Stühle kräftig anfingen zu wackeln und die Schlüssel am Brett klimperten", erinnert sich Guenther. "In diesen Momenten wird schlagartig klar, dass die Bewohner noch immer sehr verängstigt und sich nicht sicher sind, ob sie den Winter beispielsweise in einem der Holzhäuser verbringen können, die derzeit an vielen Stellen der Region gebaut werden." Ein eigenes Bild vom Ausmaß des großen Erdbebens im April konnten sich die Teammitglieder bei einer gemeinsamen Besichtigung der Gemeinde Onna machen, in der 50 von 200 Bewohner ums Leben kamen, darunter eine große Zahl von Kindern. "Onna ist praktisch völlig zerstört, lediglich ein Gebäude ist noch intakt", erklärt Guenther. "Wenn man inmitten der Trümmerberge zum Trocknen aufgehängte Wäsche, Kochgeschirr und Kinderwagen sieht, denkt man, das Leben sei hier mit einer Stoppuhr zum Stillstand gebracht worden." Ein weiteres einschneidendes Erlebnis für Guenther, und zugleich ein Zeichen für die Bedeutung dieses internationalen Hilfseinsatzes, war eine Trauerfeier, die für einen an Krebs verstorbenen Camp-Bewohner ausgerichtet wurde. "Wie bei einigen Anlässen zuvor wurden wir eingeladen, an der Zeremonie teilzunehmen. Auf Bitte der Familie habe ich sogar mit fünf italienischen Maltesern den Sarg getragen", so Guenther. "Das war sicherlich eines der intensivsten Erlebnisse dieses Auslandseinsatzes." Weitere Bilder vom Einsatz in den Abruzzen finden Sie in unserer Mediathek.

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