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Malteser in Solingen und Remscheid

Katastrophenschutz

Schneesturm, Überschwemmungen oder Massenkarambolagen: Muss vielen Menschen akut geholfen werden, kommt der Katastrophenschutz zum Einsatz.

Die ehrenamtlichen Helfer des Katastrophenschutzes sind zur Stelle, wenn die Kräfte des Rettungsdienstes und der Feuerwehr nicht ausreichen. Bund und Länder unterstützen die Arbeit der Malteser im Katastrophenschutz materiell und fördern mit einem finanziellen Beitrag die Einsatzfähigkeit.

Malteser und Behörden bilden eine bewährte Partnerschaft zum Schutz der Bevölkerung bei außergewöhnlichen Ereignissen.

Herborn (1987), Ramstein (1988), Remscheid (1988), Oderbruch (1997), Eschede (1998), Elbe (2002) - in den 50er Jahren für den Verteidigungsfall aufgebaut, sehen die Katastrophenschutz-Einheiten sich heutzutage vor gewaltigen Herausforderungen, die die moderne Industriegesellschaft und die unbezwingbaren und vielfältigen Kräfte der Natur mit sich bringen.

Der Malteser Hilfsdienst Solingen stellt Einheiten des Sanitäts-, Rettungs- und Betreuungsdienstes sowie zu deren logistischer Unterstützung einen Versorgungstrupp mit Feldkochherd (besser bekannt als Gulaschkanone), Technik / Sicherheit und den Führungstrupp. Alle Katastrophenschutz-Helfer üben diese Tätigkeit rein ehrenamtlich aus.

Die Aufgaben des Katastrophenschutzes im Zivilschutz regelt die Bundesrepublik Deutschland im Zivilschutzgesetz (ZSG); den sog. friedensmäßigen Katastrophenschutz in der Zuständigkeit der Länder beschreibt in Nordrhein-Westfalen das "Gesetz über den Feuerschutz und die Hilfeleistung" (FSHG). Katastrophenschutz heute bedeutet ein Hand-in-Hand mit dem kommunalen Rettungsdienst und berührt somit auch das Rettungsgesetz Nordrhein-Westfalen (RettG NW).

Während der Mitarbeit im Katastrophenschutz gibt es die Möglichkeit, verschiedene Ausbildungen und Lehrgänge zu absolvieren. Welche das sind, wird nach Neigung in Absprache mit dem Zugführer und der Fachgruppe entschieden. Folgende Ausbildungen werden angeboten:

  • Helfergrundausbildung, Sprechfunker, Fahrerschulung
  • Schwesternhelferin / Pflegediensthelfer
  • Sanitätshelfer, Rettungshelfer, Rettungssanitäter, Rettungsassistent
  • Betreuungshelfer, Verpflegungshelfer, Feldkoch, Kriseninterventionshelfer
  • Gerätewart
  • Ausbilder, Lehrrettungsassistent, Dozent im Rettungsdienst
  • Unterführer, Gruppenführer, Zugführer, Einsatzleiter, Organisationsleiter
  • Stabsausbildung (Stadt, Land, Bund)
  • Jugendgruppenleiter
  • Soziales Ehrenamt (Besuchs- und Begleitungsdienst / Begleitungsdienst mit Hund, Umgang mit demenziell Erkrankten, Präventionsschulung)
  • Desinfektor
  • Logistik

 

Begründet wurde der Katastrophenschutz in der Bundesrepublik Deutschland während des sog. Kalten Krieges. Im Verteidigungsfall sollten überall in kurzer Zeit viele Helfer für die medizinische Versorgung mobilisiert sein. Durch u.A. die Ost-West-Entspannung und die Wiedervereinigung Deutschlands wurden der Zivil- und Katastrophenschutz sowohl finanziell als auch strukturell stark verändert. Der Katastrophenschutz ist heute viel mehr auf den Einsatz bei Großschadensereignissen und Naturkatastrophen ausgerichtet. Diese Veränderungen haben eine Anpassung des Leistungsangebotes des Malteser Hilfsdienstes erforderlich gemacht. Dabei ist eine enge Zusammenarbeit mit anderen Hilfsorganisationen wie dem THW und der Feuerwehr selbstverständlich.

Die Größe der früher bestehenden Züge des Sanitäts- und Betreuungsdienstes im Katastrophenschutz, ihre langen Alarmierungszeiten und ihre stark auf den Zivilschutz abgestimmte Ausstattung und Ausbildung haben dazu geführt, dass diese Formationen bei der Bewältigung von Schadenereignissen in den vergangenen Jahrzehnten kaum zum Einsatz kamen.

Bei größeren Schadenereignissen überlastete Rettungsdienste und Feuerwehren einerseits, und frustrierte, demotivierte, weil vermeintlich nicht mehr gebrauchte Helferinnen und Helfer der Hilfsorganisationen andererseits waren die Folge.

Das Land NRW hat multifunktionale Einsatzeinheiten (EE) geschaffen, die bei Schadenereignissen jeder Größenordnung schnell und flexibel in der Lage sind, abgestimmt auf die bereits bestehenden Strukturen des Rettungsdienstes und der Feuerwehren, den betroffenen Menschen gezielt zu helfen.

Die direkte Anbindung der Sanitätsgruppe der Einsatzeinheit an den Rettungsdienst sowie die zeitnahe Einbindung der Betreuungsgruppe in die Hilfeleistung schließt die bisher vorhandene Versorgungslücke zwischen Rettungsdienst und Katastrophenschutz. Durch die multifunktionale Struktur der Einsatzeinheit mit ihrer Ausstattung und Ausbildung des Personals sind die Malteser und die anderen mitwirkenden Organisationen jederzeit in der Lage, den Rettungsdienst bei der Versorgung von Verletzten und Kranken wirkungsvoll zu unterstützen, zu ergänzen und ggf. abzulösen.

Die von einem Schadenereignis betroffenen, aber unverletzten Menschen werden betreut und versorgt. Je nach Schadenlage unterstützen sich die Sanitäts- und Betreuungsgruppe gegenseitig bei der Aufgabenerfüllung. Technisch ausgebildetes Fachpersonal mit entsprechender Ausstattung ergänzt und unterstützt die Sanitäts- und Betreuungsgruppe in ihren Aufgaben.

Die Einsatzeinheit kann sowohl als komplette Einheit als auch in einzelnen Fachgruppen eingesetzt werden. Voraussetzungen hierfür sind die logistischen Vorbereitungen, um die jeweilige Fachgruppe wie eine SEG alarmieren zu können.

Aufstellung und Einsatz

Die Katastrophenschutzbehörden entscheiden im Benehmen mit den im Katastrophenschutz mitwirkenden privaten Trägern unter Beachtung der jeweiligen Risiken, wie viele taktische Einheiten aufzustellen sind und in welcher Kombination sie zum Einsatz kommen.

Aus einer Sanitäts- und einer Betreuungsgruppe sowie einem Trupp Technik und Sicherheit kann ein Einsatzzug gebildet werden, der für sanitäts- und betreuungsdienstliche Hilfeleistungen in größeren Schadenslagen eingesetzt wird und von einem Zugtrupp geführt wird. Ein Zugtrupp sollte im Übrigen erst dann zum Einsatz kommen, wenn dies wegen Koordination und Führung mehrerer selbständiger taktischer Einheiten erforderlich erscheint.

Die Sanitäts- und Betreuungsgruppen können ggf. zusammen mit dem Zugtrupp und dem Trupp Technik und Sicherheit im Einsatz- und Übungsfall unter einer Führung kombiniert werden, auch wenn sie verschiedenen Trägern angehören. Die Katastrophenschutzbehörde legt im Benehmen mit den Trägern der Einheiten fest, von welcher Gruppenführerin oder welchem Gruppenführer oder von welchem Zugtrupp die Gruppen geführt werden.

Führungstrupp / Zugtrupp

Der Führungstrupp (Zugtrupp) führt die Malteser Einsatzeinheit sowohl bei Sanitäts-, als auch bei Betreuungseinsätzen. Ihm gehört neben dem Zugführer (ZF) und seinem Stellvertreter (stv. ZF) ein Führungshelfer für den Bereich der Kommunikation (Sprechfunk usw.) an.

Zugführer und stellvertretender Zugführer sollten unterschiedliche Fachdienstausbildungen haben (z.B. Zugführer Betreuungsdienst, stv. Zugführer Sanitätsdienst).

Der Zugtrupp

  • stellt die Kommunikation und Kooperation mit der übergeordneten Führungsstelle und benachbarten Einheiten sicher, nimmt Einsatzaufträge entgegen und informiert über Lageentwicklung und Einsatzabwicklung
  • nimmt die Feststellung und Beurteilung der Lage im Einsatzbereich der Einsatzeinheit vor,
  • regelt den sanitäts- und betreuungsdienstlichen Einsatz unter Beratung der Fach- und Führungskräfte,
  • erteilt Aufträge an die Gruppen der Einsatzeinheit und kontrolliert die Durchführung,
  • trägt Sorge für die Sicherheit im Einsatz mit Unterstützung der Fach- und Führungskräfte,
  • trägt Sorge für die Verstärkung, Ergänzung und Ablösung der Einsatzeinheit bzw. von Teileinheiten.

Sanitätsgruppe

 

Die Sanitätsgruppe kann als eigenständige taktische Einheit, etwa als

Schnelleinsatzgruppe, eingesetzt werden. Sie wird in diesem Fall durch

die Gruppenführerin oder den Gruppenführer geführt. In einem

kombinierten Einsatz mit mehreren anderen taktischen Einheiten -

entweder Sanitäts- oder Betreuungsgruppen - übernimmt die

Gruppenführerin oder der Gruppenführer der Sanitätseinheit die Führung,

die zuerst am Schadensort eingetroffen ist, solange nicht ein Zugtrupp

zum Einsatz kommt.

Die Sanitätsgruppe besteht aus

  • Ärztin oder Arzt,
  • Gruppenführerin oder Gruppenführer,
  • qualifizierten Helferinnen und Helfer,
  • zwei Gerätewagen Sanitätsdienst (1 x Land NRW, 1 x Organisationeigen),
  • einem Krankenwagen,
  • zwei Rettungswagen zur Spitzenabdeckung im Regelrettungsdienst oder im Sanitätsdienst.

Aufgabe der Sanitätsgruppe ist es insbesondere

  • Verletzte aufzusuchen, zu retten und zu transportieren,
  • bei der Einrichtung und dem Betrieb von Patientenablagen und Behandlungsplätzen mitzuwirken,
  • medizinische Sofortmaßnahmen nach ärztlicher Entscheidung und Anleitung durchzuführen,
  • Verletzte und Betroffene zu registrieren und sie sanitätsdienstlich zu betreuen
  • Sanitätsdienste im Rahmen einer Evakuierung durchzuführen.

Betreuungsgruppe

Unter dem Begriff Betreuung ist die Versorgung und Unterbringung der Bevölkerung bzw. der Einsatzkräfte zu verstehen. Dies beinhaltet somit folgende Bereiche:

Bei bestimmten Schadenslagen, wie z.B. bei Bombenfunden, können die Betroffenen nicht in ihre Häuser und Wohnungen. In diesem Fall werden sie von den Maltesern aufgenommen und in ihrer Dienststelle oder einem anderen von der Feuerwehr oder der Stadt Solingen benannten Gebäude untergebracht.

Die Betroffenen werden zunächst registriert, damit bei Fragen schnell Auskunft gegeben werden kann, welche Personen von den Maltesern betreut werden. Falls notwendig, erhalten die betreuten Personen von den Maltesern Hygieneartikel und Ersatzkleidung. Bei einer Unterbringung über Nacht werden Feldbetten aufgestellt.

Wichtig ist es den Maltesern, die Betroffenen nicht nur zu "verwahren", sondern sie, sofern sie dies wünschen, auch psychosozial zu unterstützen. Das bedeutet, die Malteser sind - quasi als emotionaler Blitzableiter - stets zu Gesprächen über die Situation oder das Erlebte bereit - jedoch ohne dies aufzudrängen.

Bei verschiedenen Veranstaltungen zeigt sich diese ganzheitliche Sorge der Malteser auch darin, dass sie an Mütter mit Kleinstkindern denken. Sie bieten Babywickelstationen an, wo sie sich trotz des geschäftigen Treibens bei Großveranstaltungen in Ruhe um ihr Kind kümmern können.

Die Betreuungsgruppe besteht aus

  • einem Trupp Unterkunft und Soziale Betreuung,
  • qualifizierten Betreuungshelferinnen oder Betreuungshelfern,
  • PSNV-Kräften und
  • zwei Mannschaftswagen und einem Anhänger Betreuung.

Die mobile Küche

Die Aufgabe des Verpflegungstrupps ist die Zubereitung von Speisen und Getränken zur Verpflegung der Bevölkerung und der eingesetzten Einsatzkräfte bei Großveranstaltungen sowie Großschadensereignissen.

Der mobilen Küche stehen genügend Materialien zur Verfügung, um kaltes oder warmes Essen herzustellen und anzubieten.

Der Verpflegungstrupp besteht aus

  • Truppführerin oder Truppführer,
  • qualifizierten Feldköchinnen und Feldköchen,
  • Verpflegungshelferinnen und -helfern,
  • einem Fahrzeug "LKW Verpflegung" und
  • einer Feldküche.

Verpflegungsbeispiele:

Großeinsätze (bis 500 Personen)

  • Erbsensuppe
  • Gulaschsuppe mit Brötchen
  • Gemüsesuppe mit und ohne Fleisch
  • Kartoffelsalat mit Brühwurst
  • Kaffee, Tee, Schnittchen, Kuchen

Kleinere Einsätze (bis 350 Personen)

  • verschiedene Braten mit Kartoffeln und Gemüse, Nachtisch
  • Schnitzel, Pommes frites, Gemüse, Pudding
  • Gyros, Reis, Krautsalat
  • Chili Con Carne, Reis, Salat

Trupp "Technik und Sicherheit"

Der Trupp Technik und Sicherheit gewährleistet die technische Unterstützung der Sanitäts- und Betreuungsgruppen und übernimmt, ggf. in Abstimmung mit anderen Organisationen, deren technische Absicherung. Er unterstützt die Aufgabenerfüllung der Sanitäts- und der Betreuungsgruppe, indem er technisches Gerät und Anlagen, etwa zum Aufbau von Behandlungsplätzen, zur Stromversorgung oder zur Beleuchtung installiert und dabei Gefahrenstellen am Einsatzort sichert und markiert.

Der Trupp Technik und Sicherheit besteht aus

  • Truppführerin oder Truppführer,
  • qualilfizierten Helferinnen oder Helfern des technischen Dienstes und
  • zwei LKW und einem Anhänger "Technik"

Weitere Informationen

Unser Spendenkonto: Malteser Hilfsdienst e.V.  |  Pax-Bank  |  IBAN: DE61370601930104242014  |  BIC / S.W.I.F.T: GENODED1PAX