Malteser Bundesarzt zur Schweinegrippe
Deutschland gut vorbereitet - Keine übereilten Maßnahmen treffen
Zur aktuellen Lage der "Schweine-Influenza", gibt der Bundesarzt des Malteser Hilfsdienstes, Dr. Rainer Löb, M.A., folgende Hinweise:
"Der aktuelle Ausbruch der "Schweinegrippe" (Influenza A Typ H1N1) in Mexiko und angrenzenden Ländern macht vielen Menschen derzeit große Sorgen. Die größte Befürchtung ist, dass es zu einer weltweiten Ausbreitung der Infektion kommt. Wichtig ist in jedem Fall, Ruhe zu bewahren und keine übereilten Maßnahmen zu treffen. So ist zum Beispiel eine ungezielte und "vorsichtshalber" durchgeführte Einnahme von hochwirksamen Arzneimitteln gegen Viren (wie Tamiflu® oder Relenza®) absolut nicht sinnvoll. Eine Einnahme entsprechender Arzneimittel darf nur im Zusammenhang mit der Verordnung durch einen erfahrenen Arzt erfolgen. Auch ist es derzeit nicht notwendig, in Deutschland öffentliche Veranstaltungen zu meiden oder gar aus Angst vor einer Ansteckung das Haus nicht mehr zu verlassen.
International ist die Pandemie- (weltweite Ausbreitung einer Infektion) Warnstufe auf Stufe 5 erhöht worden. Damit greifen in allen Ländern zusätzliche Vorsichtsmassnahmen und die Vorbereitung auf die akute Bekämpfung einer sich ausbreitenden Infektion. Die Erhöhung der Warnstufe ist sinnvoll, da offensichtlich weiterhin Mensch-zu-Mensch-Übertragungen, besonders in Mexiko und den USA, erfolgen.
Die "echte" Grippe (Influenza) ist grundsätzlich eine ernste Erkrankung, an der in jedem Jahr viele Menschen weltweit sterben. Ob der aktuelle Ausbruch mit dem neuen Virus (H1N1) eine stärkere Bedrohung darstellt als die Influenza an sich, ist derzeit nicht abzuschätzen. Die Krankheitsverläufe, auch bei den mit der "Schweinegrippe" infizierten Menschen in Deutschland, geben derzeit keinen Anlass, dies anzunehmen.
Deutschland und Europa waren zu keinem Zeitpunkt besser vorbereitet für eine weltweite Ausbreitung einer Infektion. In den letzten Jahren ist die Planung für den Fall einer solchen "Pandemie" intensiv vorangetrieben worden. Wir wissen sehr viel über die aktuelle Erkrankung und so sind die Vorbereitungen für den "Ernstfall" nie besser gewesen als heute.
Bei den Gesundheitsämtern und in den Krankenhäusern sind die Vorbereitungen für die Behandlung entsprechender Patienten in vollem Gange und meist bereits abgeschlossen. Schnelltests und Depots der wirksamen Arzneimittel sind in den Städten und Kliniken vorhanden. Auch die Hilfsorganisationen, Feuerwehren und Rettungsdienste haben ihre Pläne aktiviert und sind auf die aktuelle und eine sich eventuell verschärfende Situation gut vorbereitet.
Auf den Seiten des Robert-Koch-Institutes findet man jeweils hochaktuelle Informationen zur Situation. Hier sind auch Informationen für Flugpassagiere, in deren Flugzeug sich Personen mit Atemwegserkrankungen aufhielten, verfügbar.
Wichtig ist die Einschätzung der Experten, dass für die Bevölkerung derzeit keine allgemeine Gefährdung durch die Schweinegrippe gesehen wird. Das, was jeder Einzelne tun kann, ist die allgemeinen persönlichen Hygienemaßnahmen, besonders bei Kontakt zu Reiserückkehrern aus den betroffenen Regionen, besonders zu beachten. Grippeviren werden vor allem durch Tröpfcheninfektion übertragen. Beim Husten oder Niesen können die Krankheitserreger auf die Hände gelangen und so weiter verbreitet werden. Daher ist häufiges Händewaschen anzuraten. Da die Krankheitserreger leicht durch die Hände auf Augen, Nase und Mund übertragen werden können, sollten die Hände vom Gesicht ferngehalten werden. Wenn gehustet wird, sollte in den Ärmel gehustet werden."
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